Ich habe nicht entschieden, es zu schreiben. Ich habe entschieden, es nicht zu löschen.
Als ich vor zwei Jahren anfing, machte ich mir eine Gliederung. Ich wollte wissen, welche Kapitel auf mich zukommen und in welcher Reihenfolge. Wie ich mir das Schreiben organisiert habe, schreibe ich ein andermal — jetzt ist etwas anderes wichtig.
Heute habe ich diese Gliederung geöffnet, und sie hat mit dem heutigen Inhalt des Buches nicht die geringste Ähnlichkeit.
Keine Zeile darin über meine Kindheit. Nichts darüber, was mich eigentlich auf hundertfünfzig Kilo gebracht hat. Und nichts über Drogen.
Als ich mich an den ersten Satz setzte, ahnte ich nicht, dass diese Dinge im Buch stehen würden.
Wie es hineingekommen ist
Das erste Manuskript hatte ein paar Seiten. Buchstäblich ein paar. Ich gab es meinem Mentor zu lesen, und seine Reaktion war eindeutig: über das, was davor war, musst du sehr viel mehr schreiben.
In jener Fassung hatte ich meine gesamte Kindheit mit zwei Sätzen abgetan. Ich hielt das für die Einleitung. Für etwas, das man erwähnt, bevor man zum Wesentlichen weitergeht.
Das erste Kapitel hat heute 7.946 Wörter und 37.734 Zeichen ohne Leerzeichen.
Das ist der ganze Unterschied zwischen dem, was ich schreiben wollte, und dem, was ich geschrieben habe.
Wie es sich geschrieben hat
Schlecht.
Ich habe dem nichts hinzuzufügen, außer dass ich dabei saß und weiterschrieb. Mehrmals liefen mir die Augen so voll, dass ich den Bildschirm nicht mehr sah. Ich wartete und schrieb weiter.
Die ganze Zeit wusste ich nicht, ob ich es je hinauslassen würde. Ich schrieb es nicht, weil ich mich entschieden hätte, offen zu sein. Ich schrieb es, weil ich nicht lügen wollte, nachdem ich einmal angefangen hatte — und es wegzulassen wäre dasselbe gewesen, als hätte ich hingeschrieben, es sei nichts passiert.
Aber einverstanden war ich damit nicht im Entferntesten.
Wann ich es angenommen habe
Erst als das zweite Manuskript fertig war, las ich es ganz von vorne bis hinten.
Dann nach einiger Zeit wieder. Und dann noch einmal.
Erst bei dieser dritten Lektüre kippte etwas. Ich saß nicht mehr als der Mensch über dem Text, dem das passiert ist, sondern las ihn als Text. Erst da nahm ich an, dass es hinausgehen kann. Erst da konnte ich mich davon lösen.
Ich weiß nicht, ob das bei jedem so läuft. Bei mir waren es drei Lektüren und etwas Zeit dazwischen.
Was in diesem Buch steht
Ich trage meine Haut zu Markte. Da ist meine Kindheit, und sie war nicht schön. Da ist die Pubertät. Da ist Crystal Meth. Und da sind Dinge, die ich hier nicht verrate, denn dafür ist das Buch da.
Nichts davon habe ich mir vorher vorgenommen.
Ich habe entschieden, es nicht zu löschen. Das ist alles, was sich über diese Entscheidung wahrheitsgemäß sagen lässt.