Tante Majka und das Loch im Eis
Im Januar 2021 stand ich bis zur Hüfte im kalten Wasser eines zugefrorenen Sees, mit einem Stück Eis in den Händen, umgeben von Menschen, mit denen ich mich in diesem Winter regelmäßig zum Eisschwimmen traf. Auf dem Foto sieht es einfach aus — ein Typ im Eis, eine etwas amüsante Aufnahme. Aber dahinter verbirgt sich ein Stück Weg, das es wert ist, erzählt zu werden.
Der erste Einstieg in das kalte Wasser war anders. Ich war dort, voller Angst und Scham für meinen eigenen Körper. An diesem Tag, etwas später, bin ich bereits Teil einer Gruppe — und genau darum geht es in diesem Teil des Buchs.
Hinter all diesem Anfang steht meine Tante Majka. In einer Zeit, in der ich am Boden war — körperlich schwer, innerlich zerbrochen — nahm sie mich genau so an, wie ich war, bedingungslos. Sie drängte nie, sie schubste mich nur sanft in Richtung Bewegung. Am Ende drängte sie mich sogar zu meinem ersten Eisbaden. Damals ahnte ich nicht, dass genau dieser Schritt zu einem der Wendepunkte der ganzen Geschichte werden würde.
Aus diesem ersten, angsteinflößenden Einstieg ins Eis wurde allmählich etwas Regelmäßiges — und damit kam auch etwas, das ich zuvor noch nie erlebt hatte: ein Gefühl der Zugehörigkeit. Eine Gruppe von Menschen, denen ich am Herzen lag, war ein scharfer Kontrast zu den Jahren der Einsamkeit davor.
Teil dieses Weges war auch der Moment, in dem ich es wagte, die Trainerin um Hilfe zu bitten — und zunächst abgewiesen wurde. Anstatt mich zu brechen, hat es mich gestärkt. Mir wurde klar, dass ich dieses neue, echte Leben schützen wollte. Und dass der Schlüssel, um darin weiter voranzukommen, darin lag, zu neuen Gelegenheiten „Ja“ zu sagen, auch wenn Angst im Spiel war.
Dieser Abschnitt stammt aus dem Kapitel Ein Lichtblick, der im Dunkeln verschwand, Unterkapitel Majka – Mein größter Rückhalt und Der Funke, der die Hoffnung entfachte.