Startnummer 29 — das erste Rennen
17. September 2017. Beh Zubrohlavským chotárom, zweite Ausgabe. Auf meiner Startnummer steht die 29 und auf dem Zielfoto halte ich eine Medaille in der Hand.
Ein halbes Jahr zuvor hatte ich begonnen, mit Trainer Mino zu trainieren. In diesen sechs Monaten waren zwanzig Kilo runter. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, mich in die richtige Richtung zu bewegen — und so meldete ich mich spontan für das Rennen an. Ich bin schließlich schon Sportler.
War ich nicht. Auf der Strecke habe ich mich selbst beschimpft. Worauf habe ich mich da eingelassen. Dass ich das nicht schaffe. Dass all dieses Training, all dieses Abnehmen ein einziges großes Missverständnis war. Ich kam fast als Letzter ins Ziel. Mino wartete dort und reichte mir die Hand. Ich brachte nur einen einzigen Satz hervor: „Niemand hat mir gesagt, dass wir Hügel laufen werden!"
Alle lobten mich. Ich hatte kein gutes Gefühl dabei. Äußerlich ein Erfolg — zwanzig Kilo runter, Rennen beendet, Medaille. Innerlich war ich völlig verloren. Kindheitsängste zogen mich selbst dann nach unten, als es von außen so aussah, als würde ich gewinnen.
Damals waren auch meine Mutter und mein Stiefvater dort. Es war das erste und letzte Mal, dass meine Mutter mich beim Sport sah. Sie wusste nicht, was an diesem Tag in mir vorgeht. Und heute bin ich froh, dass sie es nicht wusste — und dass sie mich ins Ziel laufen sah.
Das Kapitel, in dem ich über diesen Tag schreibe, heißt Ein Lichtblick, der im Dunkeln verschwand. Dieser Name ist nicht zufällig entstanden. Meine letzten Wiegerufzeichnungen aus dieser Zeit stammen aus Februar und März 2018: 109,6 und 110,3 kg. Danach enden die Aufzeichnungen für zwei Jahre. Der nächste Eintrag im Gewichtstagebuch stammt erst vom 11. Juni 2020 — 155,3 kg. Zwischen diesen beiden Zahlen liegen zwei Jahre, über die ich ein anderes Mal schreiben werde.
Das Rennen von 2017 war ein Lichtblick. Das, was danach kam, ist der Grund, warum ich dieses Buch schreibe.