Der Mythos von der Stille auf der Hütte
Am Samstag, dem 15. August, bin ich zu Fuß von Medvedzie zur Útulňa unterhalb der Magurka gegangen. Im Rucksack ein Laptop, im Kopf ein Ziel: ein Stück des Buches woanders zu schreiben als an meinem eigenen Schreibtisch.
Am Mittwoch habe ich hier darüber geschrieben, wie ich zum allerersten Mal außerhalb meines Zuhauses geschrieben habe — in einem Café, mit Tee und Laptop, während ich auf Hanka wartete. Die Hütte war der nächste Schritt desselben Experiments, nur etwas höher und etwas weiter weg von der Zivilisation.
Die Vorstellung war klar — Berg, Stille, niemand weit und breit. Die Realität war völlig anders. Unterwegs traf ich Leute aus Žarnovica, die mich fragten, was ich mit einem Laptop mitten im Wald mache. Ich sagte ihnen die Wahrheit: Die Berge haben mein Leben verändert, also dachte ich, ich hole mir ein bisschen von ihrer Atmosphäre ins Buch. Und sie waren nicht die Letzten. Den ganzen Tag über zogen so viele Leute an der Hütte vorbei, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte mich zum Schreiben auf eine Bank an der Hauptstraße gesetzt, nicht in die Berge. Mit fast jedem wechselte ich zumindest ein paar Worte — wer seid ihr, woher kommt ihr, wohin geht ihr, was mache ich hier.
Das ist etwas, an das ich vorher überhaupt nicht gedacht hatte. Wenn man sich vorstellt, ein Buch an einem Ort wie einer Berghütte zu schreiben, denkt man an Einsamkeit. In Wirklichkeit ist es einer der belebtesten Orte, die ich kenne — und das hat mich mehr überrascht als alles andere an diesem Tag.
Trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — war ich am Nachmittag, gegen eins, fertig. Der längste und roheste Teil des Buches, den ich bisher geschrieben habe. Ich werde hier nicht verraten, wovon er genau handelt; das gehört dem Buch, nicht dem Schreibtagebuch. Ich sage nur so viel: Es war ein Kapitel, das ich lange mit mir herumgetragen habe, und es umgeben von fremden Menschen zu schreiben, die mit mir über ganz alltägliche Dinge redeten, war ein merkwürdiger Kontrast. Vielleicht genau der, den ich brauchte.
Ich packte den Laptop ein, warf einen letzten Blick zurück auf die Hütte und machte mich auf den Weg nach unten. Unterwegs wurde mir eines klar: Ich hatte mir vorgestellt, das Buch in Stille zu schreiben. Am Ende entsteht es mitten unter Menschen — im Café, auf der Hütte, überall dort, wo ich dachte, allein zu sein, und es nicht war.